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Aus den Salzburger Nachrichten
Valentin Inzko: “Ich bin ein Kärntner Patriot”
14.07.2010 - 08:31
In der heutigen Ausgabe der Salzburger Nachrichten ist ein Interview zur aktuellen Situation in Kärnten mit dem Vorsitzenden des Rates der Kärntner Slowenen, Valentin Inzko, veröffentlicht, welches sie hier nachlesen können.
Behr, Martin: "Ich bin ein Kärntner Patriot". Salzburger Nachrichten, 14. 7. 2010, Seite 3.
"Ich bin ein Kärntner Patriot"
Hoffnungsmann. Dem neuen Vertreter der Kärntner Slowenen trauen nicht wenige zu Bewegung in die Ortstafelfrage zu bringen.
MARTIN BEHR
Der Spitzendiplomat Valentin Inzko (61) setzt große Hoffnungen auf ein "neues, junges Kärnten". Selbst Haider habe gewusst, dass mit dem Ortstafelthema "nichts mehr zu holen" sei.
SN: Im Fall Zogaj wird viel mit dem Rechtsstaat argumentiert. Derselbe wird in der Frage der Kärntner Ortstafeln seit Jahren verhöhnt. Wie geht es Ihnen damit?
Inzko: Viele Vergleiche hinken. Sie können sich aber vielleicht vorstellen, wie es mir geht, wenn ich an Flüchtlingsschicksale denke. Meine Mutter flüchtete nämlich 1945 vor den Kommunisten aus Jugoslawien, hat sich in Österreich verliebt und auch meine Frau ist ein Flüchtlingskind, eine Slowenin aus Buenos Aires. Alle wurden aber von den Empfangsstaaten schön aufgenommen. Sie können sich demnach vorstellen, was mir beim Fall Arigona alles durch den Kopf geht. Andererseits hat aber der VfGH lediglich über die Korrektheit des Vorgangs entschieden und diesen bestätigt. Urteile des Verfassungsgerichtshofs sind endgültig und umzusetzen. So ist es auch im Fall der Ortstafeln.
SN: Sie haben den Ortstafelkonflikt mitverfolgt. Warum glauben Sie, dass es nun möglich wäre, die alten Gräben zu überbrücken?
Inzko: Wie leben im 21. Jahrhundert. Es gibt kein Jugoslawien, keinen Kommunismus mehr. Slowenien ist ein Partnerstaat Österreichs in der EU. In Kärnten werden zwei EU-Sprachen gesprochen und Kärntner haben dadurch doppelte Chancen. Zu meiner Zeit waren 14% der Südkärntner Kinder zum zweisprachigen Unterricht angemeldet, jetzt sind es umgekehrt 41%. Es ist an der Zeit, dass auch die Politik mitzieht. In vielen Bereichen, auch im kirchlichen, gibt es ein "gemeinsames Kärnten" schon lang.
SN: Wie sind Ihre internationalen Erfahrungen dienlich, um die Dauerkrise in Kärnten zu beheben?
Inzko: Ich habe sieben Jahre in Asien gearbeitet, war in New York in der österreichischen Mission bei der UNO und in Europa. Überall waren der Dialog, die Toleranz und der gesunde Kompromiss wichtig. Auch in Bosnien. So wurde Europa aufgebaut und das könnten auch die Grundsätze für ein Gespräch und eine Lösung in Kärnten sein.
SN: Wo liegen die Wurzeln für eine Geisteshaltung, die Mehrsprachigkeit nicht als Vorteil, sondern als Bedrohung ansieht?
Inzko: Viele deutschnationale Verbände haben in der Vergangenheit gegen die Kärntner Slowenen agiert, wie der Schulverein Südmark, viele haben bei Germanisierung und "Eindeutschung" der Volksgruppe mitgemacht. Irgendwie 90 Jahre lang. Slowenen wurden von Hitler ausgesiedelt. Das liegt wie ein Bleischleier auf Kärnten. Mit abnehmender Tendenz. Slowenisch war "schiach". Das Slawische war negativ besetzt. Das ändert sich aber zusehends.
SN: Sie seien kein Hardliner, heißt es aus der Kärntner Politik. Waren Hardliner unter den Kärntner Slowenen das große Problem?
Inzko: Das war zumindest die Perzeption. Dass wir Hardliner sind. Viele waren einfach verzweifelt. Auch der Herr Bundespräsident hat dies bei seiner Angelobungsrede auf den Punkt gebracht, auch auf Slowenisch: "Die Zeit ist reif!" Die Enttäuschung und der Frust der Volksgruppenangehörigen ist verständlich und kann nicht als radikal abgestempelt werden. Wenn wir die These umdrehen: Sind denn eigentlich nicht jene als Hardliner anzusehen, die den Staatsvertrag bis heute nicht erfüllt haben? Warum wird ständig die immer kleiner werdende Volksgruppe beschuldigt?
SN: Wie geht es nun weiter? Werden Sie der Politik neue Vorschläge machen? Kompromissvorschläge?
Inzko: Den Staatsyertrag hat Außenminister Figl unterzeichnet. Demnach ist die Republik Österreich am Zug. Sie muss den Staatsvertrag erfüllen und die Verfassungsgerichtshofsurteile umsetzen. Ich gehe von einer Initiative des Herrn Bundeskanzlers aus. Wir Kärntner Slowenen können den Staatsvertrag selbst nicht erfüllen. Wir sind die Betroffenen.
SN: Sie haben gesagt, die Bevölkerung sei in Kärnten schon weiter als die Politik? Ist ein Umdenken auch eine Generationenfrage?
Inzko: Sicherlich. Es gibt auch ein anderes Kärnten, es gibt eine Zweisprachigkeit im Rahmen der Kärntner Kirche und es gibt auch ein junges Kärnten. Für diese Generation ist der Ausbildungs- oder Arbeitsplatz wichtiger als die Nationalitätenproblematik.
SN: Wie beurteilen Sie den Kärntner LH Gerhard Dörfler in der Causa Ortstafeln? Glauben Sie, dass die FPK an einer Lösung überhaupt interessiert ist?
Inzko: Was die FPK betrifft, sollten Sie besser dort anfragen. Ansonsten ist es so, dass jeder Landeshauptmann von Kärnten mit dieser Problematik befasst war. Landeshauptmann Wedenig hat leider den obligatorischen zweisprachigen Unterricht nach der Unterzeichnung des Staatsvertrags abgeschafft, Leopold Wagner war stolz, ein hochdekorierter Hitlerjunge gewesen zu sein. Sima suchte eine anständige Lösung. Ich spüre bei Dörfler eine Bereitschaft, sich des Problems anzunehmen. Im Bereich zweisprachiger privater Kindergärten - eine Erfolgsstory - verhielt er sich stets konstruktiv und hat seine Förderungszusagen immer eingehalten.
SN: Sie hatten Jörg Haider einmal das Du-Wort entzogen. Welches Verhältnis hatten Sie generell zu diesem Populisten?
Inzko: Das war damals, als mir meine Mutter, sichtlich gebrochen, das berühmt-berüchtigte BZÖ-Flugblatt in die Hand drückte -"Kärnten wird einsprachig". Das hatte es seit dem Dritten Reich nicht mehr gegeben ("Kärntner spricht deutsch"). Außerdem wurden damals vom BZÖ auf großflächigen Plakaten Ausländer als nicht willkommen bezeichnet. Meine Frau, Bernarda Fink, fühlte sich dabei als argentinische und slowenische Staatsbürgerin erniedrigt und verhöhnt. So habe ich damals dem Landeshauptmann das Du-Wort entzogen. Andere Mittel als moralische hatte ich nicht. Wir hatten aber kurz vor seinem Ableben - ein versöhnliches Gespräch, bei dem er ein großzügigeres Vorgehen gegenüber der Volksgruppe glaubhaft in Aussicht stellte. Er wusste, dass mit diesem Thema nichts mehr zu holen war.
SN: Kärnten wird in Restösterreich vielfach als verbohrt, rückständig, politisch gestrig abgestempelt...
Inzko: Das schmerzt mich; Ich bin ein Kärntner Patriot. Vor allem schmerzt es mich, dass nicht alle Potenziale gehoben werden. Kärnten ist eine Literatur-Großmacht, es hat viele Maler hervorgebracht oder beherbergt, es hat mannigfache Talente in vielen Bereichen, wie Frau Monika Kircher-Kohl, die Infineon-Direktorin, die ich unendlich schätze, die Nestle-oder Siemens-Chefs und viele andere. Ich bin bereit, an einem positiven Kärnten-Bild mitzumachen.
SN: Es gibt Gerüchte, dass Sie in die Kärntner Landespolitik einsteigen könnten. Ist da was dran?
Inzko: Gerüchte sind das. Sonst nichts. Ich bin auch bei keiner Partei. Das Schicksal war oft unberechenbar, jedoch immer gnädig zu mir. Warten wir deshalb ab.
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Zur Person
Valentin Inzko: Ein Diplomat, der nicht laviert
Der 1949 in Suetschach im Kärntner Rosental geborene Valentin Inzko ist ein Spitzendiplomat, der sich nicht scheut, klar Stellung zu beziehen. Seit 2009 ist er EU-Sonderbeauftragter für Bosnien. Der Kärntner spricht sieben Sprachen und arbeitete unter anderem in Ulan Bator, Colombo, Belgrad, New York, Prag oder Sarajevo. Der kürzlich zum Chef des Rats der Kärntner Slowenen gewählte Diplomat ist mit der Sängerin Bernarda Fink verheiratet.



